Alle Artikel von Habbel

Bundestag bringt „Konto für alle“ auf den Weg

Der Deutsche Bundestag unternahm am vergangenen Freitag den ersten Schritt und überwies den von der Regierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie über die Vergleichbarkeit von Zahlungskontoentgelten, den Wechsel von Zahlungskonten sowie den Zugang von Zahlungskonten mit grundlegenden Funktionen (18/7204) an die zuständigen Ausschüsse.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Dr. Michael Meister (CDU), sprach von einem „großen Tag für viele Menschen in unserem Land, denen über dieses Gesetz die Teilhabe am Zahlungsverkehr in Zukunft rechtlich abgesichert und ermöglicht wird“. Jeder Mensch in diesem Land habe in Zukunft das Recht, ein sogenanntes Basiskonto eröffnen zu können.

Sein Staatssekretärskollege im Justizministerium, Ulrich Kelber (SPD), nannte das einen „Meilenstein“. Er verwies auf Schätzungen der EU-Kommission, wonach in der Bundesrepublik rund eine Million Menschen ohne Konto seien. Durch die Geflüchteten sei die Zahl vermutlich noch gewachsen. Jetzt werde den Menschen die gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Die bisherige freiwillige Selbstverpflichtung der Kreditwirtschaft habe sich als nicht ausreichend erwiesen.

Weitere Informationen hier.

Zweiter Tag

Frühstückszeit. In der Nähe des Hotels in Osnabrück ist ein kleines Café. Es heißt Le Petit Café und hat nur wenige Plätze. Um 9.00 Uhr bin ich der erste Gast. Zögerlich frage ich nach der „Zahlmaschine“. „Haben wir“, sagt die Gastronomin. Allerdings ist sie nicht sicher, ob alles funktioniert. Ich erzähle ihr von meiner bargeldlosen Woche. Das findet sie interessant. Beim Bezahlen mit der girocard sagt sie mir, dass ich seit der Eröffnung des Cafés im September 2015 bei ihr der erste Gast bin, der mit einer Karte zahlt. Leider weiß sie nicht, wie  man das Trinkgeld organisieren kann. Die Kartenzahlung heute ist also für sie eine Art Premiere. Alles klappt wunderbar. Der Tag kann beginnen.

Kartenzahlung unter zehn Euro nicht möglich

Schade, der Body Shop in Osnabrück nimmt die girogo erst bei Beträgen über zehn Euro an. Das gilt im Übrigen dort für alle elektronischen Karten. Eigentlich sollte doch die girogo für Kleinstbeträge eingesetzt werden können. Auf den Kauf verzichte ich.

Interessant ist es im Café Stadtgalerie. Von Freunden bin ich zum Mittagessen eingeladen. Sie übernehmen auch die Rechnung. Getragen wird das Lokal von der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück.  Eine Einrichtung, die seit einigen Jahren besteht, von der Stadt Osnabrück mit unterstützt wird und sich großer Beliebtheit erfreut. 14 Menschen mit Behinderung machen hier den Service. Sie bereiten die Speisen zu, servieren und rechnen ab. Der Raum ist voller Gäste. Die Leiterin sagt mir, dass die Nachfrage nach e-Payment von Seiten der Besucher groß ist. Mit der Einführung habe man bisher aber gezögert, weil sich kein einfaches e-Kassensystem gefunden habe. Der Prozess darf nicht zu kompliziert sein. Gern würden sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend schulen. Sie suchen nach einer Einrichtung, die sich spezielle auf die Belange behinderter Menschen einstellt.

Geldspenden in der Kirche

Kirche

Die evangelische Kirche in Osnabrück stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie hat mit kapp über 100 Meter den höchsten Turm in Niedersachsen. Aber wie kann ich Geld in einen Opferstock werfen, wenn ich keine Münzen oder Geldscheine habe?  In New York soll es inzwischen Bettler geben, die eine Zahlmaschine haben und Kreditkarten annehmen. Gibt es bald im Klingelbeutel einen Schlitz für Karten?

Wie kann ich diesem Musikkanten auf der Straße Geld geben? (Foto: Habbel)

Kauf von Büchern

Ein Buchkauf zeigt die aktuellen Probleme beim Einsatz elektronischer Karten auf. Ich möchte mit der girocard und per Pin-Eingabe zahlen. „Das geht leider nicht“, sagt die nette Verkäuferin. Ich frage, „warum?“ Sie antwortet: „Wir akzeptieren nur das Lastschriftverfahren, sie müssen unterschreiben. Für uns ist das preiswerter. Die Margen im Buchhandel sind gering, wir nehmen auch keine Kreditkarten“. Ich zahle also mittels Unterschrift.

Bei weiteren Einkäufen stelle ich fest, dass Zahlvorgänge mit der girocard unter fünf Euro nicht gewünscht sind.

Wie kann ich diesem Musikanten Geld geben? Aufgenommen auf der Einkaufsstraße in Osnabrück (Foto: Habbel)

Laut Plan nimmt die Tourist-Information in Osnabrück die Geldkarte an. Ich kaufe „Osnabrücker Gummi-Bärchen“. Der Zahlvorgang mit der Karte wird leider immer wieder abgebrochen. Ich bezahle mit der girocard. Der Betrag liegt bei 1,83 Euro. „Kein Problem“, sagt der Touristmanager. Er muss ja Osnabrück auch gut verkaufen.

Erster Tag

Wir schreiben den 15. Januar 2016. Der Tag beginnt in Berlin mit einem Kaffee, gekauft an einer Tankstelle. Noch zeigt sich bei mir allerdings eine gewisse Unsicherheit, deswegen frage ich vor der Bestellung, ob eine Kartenzahlung möglich ist. „Kein Problem, ist die Antwort“. Die Zahlung von 1,89 Euro erfolgt mit der girocard. Weder gibt es Erstaunen noch Nachfragen ob des geringen Betrages.

Zug

Und weiter geht es. Am Nachmittag fahre ich mit dem Zug nach Osnabrück zu einem Blogseminar mit Studierenden an der Universität im Fachbereich Sozialwissenschaften. Die Bahnfahrkarte bestelle ich problemlos über die Bahn App, die ich seit Jahren nutze. Der Fahrschein wird als QR-Code gespeichert, die Zahlung über die American express Kreditkarte abgerechnet. Es ist 15.15 Uhr und ich zeige dem Schaffner meinen elektronischen Fahrausweis. Seit einigen Monaten wird auch die BahnCard elektronisch gespeichert. Das ist praktisch, man hat eine Karte weniger bei sich.

Konfusion beim Kaffeeladen im Hauptbahnhof

Mit der giorogo ist ein Bezahlen des Kaffees  am Hauptbahnhof in Berlin nicht möglich. Die Karte bringt irgendwie das Lesegerät durcheinander, denn Kreditkarten gehen auch nicht. Nach dem Re-Start klappt der Zahlungsvorgang  problemlos mit der girocard.

Erster Einsatz mit Geldkarte

1,10 Euro kostet die Flasche Wasser bei Kaiser’s im Hbf Berlin. Die Kassiererin kennt die Geldkarte zwar nicht, steckt sie aber in das Lesegerät. Durch einfache Bestätigung mit der Grüntaste wird der Zahlvorgang dieses Kleinstbetrages schnell abgeschlossen. Jetzt sitze ich im Zug nach Osnabrück und überlege, gleich im Bistro des IC vorbei zu gehen. Offline schreibe ich auf dem Laptop, leider hat die Bahn die IC-Strecken noch nicht mit WLAN ausgebaut.

Kaisers

Teetrinken klappt im Bistro, aber ein Bezahlen mit der girocard ist nicht möglich, Akzeptiert werden nur die klassischen Kreditkarten. Der Zug fährt nach Amsterdam, vielleicht liegt es daran.

Osnabrück: Angekommen in der Provinz

Drei Taxifahrer bestehen auf Bargeld für die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Hotel. Ich habe aber keins. Dem Ersten ist die Fahrt offensichtlich zu kurz, der Zweite nimmt generell keine Karten an und der Dritte sagt: „Gehen sich doch zum Geldautomaten im Bahnhof und holen dort Bargeld. Alternativ kann ich sie auch zum Hotel fahren, dort gibt man mir an der Rezeption das Fahrgeld in bar und schreibt es dann auf die Zimmerrechnung.“ Darauf bin ich bisher nicht gekommen. Nach dem dritten Fehlversuch mache ich einen schönen Sparziergang zum Hotel. Es regnet heute nicht in Osnabrück. Wenigstens ist der Salat am Abend im Restaurant mit der girocard gesichert.

Der Tag zuvor

IMG_1725

Einen Tag vor Beginn der bargeldlosen Woche habe ich mein Geld abgegeben. Jetzt zählt nur noch e-Payment. Es ist schon ein komischen Gefühl auf jegliche Münzen zu verzichten.

Rund 60 % meiner finanziellen Transaktionen im Alltagsleben erfolgen bereits bargeldlos. Damit zähle ich vermutlich zu den Außenseitern, die überwiegend bargeldlos zahlen. Als vor zwei Jahren meine Geldbörse kaputt ging, entschied ich, mir keine neue zuzulegen. Die wenigen Geldscheine, die ich bei mir trage, bringe ich im Etui des Smartphones unter. Dort befinden sich auch meine Kreditkarten und meine girogo Karte. Die wenigen Münzen, sozusagen als Restgeld, befinden sich lose in der Tasche meines Jacketts. That’s All! Auf wenig Bargeld aufpassen zu müssen, empfinde ich als eine Erleichterung. Parkgebühren in Berlin zahle ich ausschließlich online mit EasyPark. Das gleiche gilt für Fahrten mit der S-Bahn. Mein Kleingeldbedarf hält sich also in Grenzen. Vermutlich muss ich in meiner bargeldlosen Woche auf den Kauf eines Apfels an der S-Bahn-Station Lichterfelde Ost wohl verzichten. Vielleicht gibt es aber auch dort eine Zahlmaschine. Ich werde es ausprobieren.

 

 

Girokonto für jedermann

Am 15. Januar 2016 debattiert der Deutsche Bundestag über das „Girokonto für jedermann“. Der Zugang zu Zahlungsdiensten und damit zu einem Zahlungskonto ist in Europa für alle Bürgerinnen und Bürger eine unabdingbare Voraussetzung für eine uneingeschränkte Teilhabe am wirtschaftlichen und sozialen Leben. „Die unbare Abwicklung des Zahlungsverkehrs über ein eigenes Zahlungskonto ist angesichts der Erfordernisse und Usancen des Geschäfts- und Wirtschaftsverkehrs im Alltag des 21. Jahrhunderts für alle Bürger und Bürgerinnen von essentieller Bedeutung“, heißt es weiter in der Begründung des Gesetzentwurfes.

Nur wenige Schulen haben Schulgirokonten

Bargeldloser Zahlungsverkehr ist auf dem Vormarsch – aber nicht in den rund 40.000 Schulen. Nur vier Bundesländer haben Schulgirokonten eingeführt.

Dies wurde auf  eine kleine Anfrage von der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern mitgeteilt. Weiter heißt es in der Antwort: „Bei Schulen handelt es sich um nichtrechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechts, dementsprechend ist die Einrichtung eines Schulgirokontos durch die Schulen rechtlich nicht möglich. Schulen können nicht Träger von Rechten und Pflichten sein, insofern können sie selbst kein Konto einrichten und führen. Die Schulen behelfen sich derzeit noch mit Konten der Schulfördervereine. Daneben nehmen die Lehrkräfte momentan noch die Möglichkeit wahr, Girokonten anlassbezogen einzurichten, etwa zur Durchführung einer Klassenfahrt, und diese nach Durchführung und Abrechnung der Veranstaltung wieder zu schließen.“

 

 

Das Experiment

In Partnerschaft mit
In Kooperation mit Franz-Reinhard Habbel

Eine Woche lebte, arbeitete und reiste ich ohne Bargeld. Einkäufe, Reisen und sonstige Ausgaben zahlte ich ausschließlich bargeldlos. Meine Erfahrungen die ich dabei machte, teilte ich in diesem Blog täglich in einem Tagebuchartikel mit.

Lesen Sie die Zeit vom 15. bis 22. Januar 2016