Siebter Tag

 

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Bin ich mit meiner bargeldlosen Woche zehn Jahre voraus? Mit Interesse lese ich gerade einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Der Deutsche-Bank-Chef Cryan spricht auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos davon, dass es in zehn Jahren keinen Bedarf für Bargeld mehr geben werde. „Cash ist als Zahlungsmittel unglaublich ineffizient und teuer. Bargeld wird vollkommen dematerialisiert. Wir haben genug verlässliche Technologien, die seine Rolle übernehmen können“, sagt er.

Geldautomaten meide ich diese Woche. Es auch ohne Bargeld. (Foto: Habbel)
Geldautomaten meide ich diese Woche. Es geht auch ohne Bargeld. (Foto: Habbel)

Auch der siebte Tag beginnt mit Kaffee von der Tankstelle. Sie befindet sich direkt neben meinem Büro. Mit der MasterCard zahle ich berührungslos den Betrag von 1,85 Euro. Der Tankwart sagt mir, dass immer mehr Kunden berührungslos ihre Benzinrechnung mit einer Kreditkarte, die diese Technologie enthält, bezahlen. Über 25 Euro müssen sie allerdings die PIN-Number eingeben. Die Abrechnung von Kleinstbeträgen mit der berührungslosen Karte, wie gerade mein Kaffee, ist allerdings noch die Ausnahme.

Nicht funktionierende Akzeptanzstellen der Geldkarte

Es ist Mittagszeit. Neben einem Bioladen, in dem ich problemlos meine girocard  zum Bezahlen von 4,60 Euro einsetze, ist ein Blumengeschäft. Mit Freude sehe ich am Eingangsbereich das Zeichen der Geldkarte. „Dann kaufe ich doch spontan Blumen für zu Hause“, denke ich. Gesagt und fast getan. Beim Bezahlen zeige ich die Geldkarte der Verkäuferin. Die Blumenfrau schaut schon seltsam und siehe da, dass Gerät verweigert die Geldkarte. Ich sage ihr, das sei ärgerlich, denn im Eingangsbereich wird die Akzeptanz der Geldkarte angezeigt. Sie sagt, ich sei der einzige, der seit elf Jahren mit der Geldkarte Blumen kaufen möchte.  Das ist nun wirklich ernüchternd. Fast könnte man meinen, ich werde das Geld auf der Geldkarte nicht los. Die Blumen sind eingepackt, ich nehme sie mit und zahle mit der girocard und PIN Nummer. Das läuft wie immer problemlos.

Besuch im Bürgeramt

Die interessanteste Tagesinformation an diesem Donnerstag ist aber mein Besuch im Bürgeramt in der Bezirksverwaltung in Steglitz Zehlendorf. Mit der Terminvergabe hat der Berliner Senat ja in der Hauptstadt seine Probleme. Darüber schreibe ich heute aber nicht. Auch nicht, wie „freundlich“ die Räume aussehen. Ich nutze eine Zeitlücke zwischen zwei Bearbeitungsvorgängen und frage den Sachbearbeiter nach elektronischen Zahlungsystemen.

Bürgeramt Steglitz-Zehlendorf (Foto: Habbel)
Bürgeramt Steglitz-Zehlendorf (Foto: Habbel)

Mit Stolz sagt er mir, dass seit Herbst 2015 an jedem Arbeitsplatz im Bürgeramt bargeldlos mit der girocard die Verwaltungsgebühr gezahlt werden kann. Es gibt auch keine Mindestgebühr. Die Gebühr für eine Meldebescheinigung beträgt beispielsweise fünf Euro. „Gut fünfzig Prozent der Bürger, die Gebühren zahlen müssen, tun dies bargeldlos“, erzählt er mir. Bis zum Herbst 2015 hätten sie noch das Lastschriftverfahren bei der girocard eingesetzt. Jetzt habe man aber komplett auf das PIN Verfahren umgestellt. Beim Lastschriftverfahren muss man den Magnetstreifen durch das Gerät ziehen, dabei seien häufig Kontaktfehler aufgetreten. Dies sei der Grund gewesen, auf das PIN Verfahren umzusteigen. Ich bedanke mich für das nette Gespräch. Obwohl ich kein Anliegen, geschweige denn einen Termin hatte, konnte ich mich mit dem Sachbearbeiter unterhalten.

Kommunen und bargeldloses Zahlen

Die Initiative Deutsche Zahlungssysteme und der Deutsche Städte- und Gemeindebund haben vergangenes Jahr das elektronische Bezahlen in Kommunalverwaltungen in einer repräsentativen Umfrage untersucht. Mehr als ein Drittel der Deutschen hat für eine Leistung in einer kommunalen Behörde am Schreibtisch des Sachbearbeiters oder an einem zentralen Kassengerät bereits bargeldlos bezahlt. Etwa um in einem Bürgeramt die Gebühren für das Ausstellen eines Ausweises zu begleichen. Derzeit sind Angebote zur bargeldlosen Zahlung von kommunalen Diensten in deutschen Großstädten deutlich häufiger verbreitet als in ländlichen Regionen (63 % um 44 %). Bargeldloses Zahlen hat für die Kommunen eine große Bedeutung. Die Prozesse und der Verwaltungsaufwand können dadurch vereinfacht und reduziert werden. Beispielsweise müssen Parkuhren nicht ständig geleert werden, wenn der Zahlvorgang elektronisch abgewickelt werden kann. Zahlungsströme gibt es in vielen Bereichen der Kommunen. Das trifft zum Beispiel auf Veranstaltungen oder auch Kantinenbetriebe in Schulen oder sonstigen öffentlichen Einrichtungen zu.

Staat investiert in E-Payment

Auf das veränderte Zahlungsverhalten der Bürgerinnen und Bürger haben Staat und Kommunen reagiert. Unter der Bezeichnung ePayBL haben Bund und Länder eine E-Payment Software entwickelt, die von öffentlichen Verwaltungen zur Vereinnahmung von Onlinezahlungen benutzt werden kann. Im Wesentlichen ging die Entwicklung vom Land Sachsen aus. Zwischen haben sich mehrere Bundesländer diesem Verfahren angeschlossen. Das gilt auch für Kommunen. Die Behörden sind an einem schnellen Geldeingang interessiert.

 

 

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