Zweiter Tag

Frühstückszeit. In der Nähe des Hotels in Osnabrück ist ein kleines Café. Es heißt Le Petit Café und hat nur wenige Plätze. Um 9.00 Uhr bin ich der erste Gast. Zögerlich frage ich nach der „Zahlmaschine“. „Haben wir“, sagt die Gastronomin. Allerdings ist sie nicht sicher, ob alles funktioniert. Ich erzähle ihr von meiner bargeldlosen Woche. Das findet sie interessant. Beim Bezahlen mit der girocard sagt sie mir, dass ich seit der Eröffnung des Cafés im September 2015 bei ihr der erste Gast bin, der mit einer Karte zahlt. Leider weiß sie nicht, wie  man das Trinkgeld organisieren kann. Die Kartenzahlung heute ist also für sie eine Art Premiere. Alles klappt wunderbar. Der Tag kann beginnen.

Kartenzahlung unter zehn Euro nicht möglich

Schade, der Body Shop in Osnabrück nimmt die girogo erst bei Beträgen über zehn Euro an. Das gilt im Übrigen dort für alle elektronischen Karten. Eigentlich sollte doch die girogo für Kleinstbeträge eingesetzt werden können. Auf den Kauf verzichte ich.

Interessant ist es im Café Stadtgalerie. Von Freunden bin ich zum Mittagessen eingeladen. Sie übernehmen auch die Rechnung. Getragen wird das Lokal von der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück.  Eine Einrichtung, die seit einigen Jahren besteht, von der Stadt Osnabrück mit unterstützt wird und sich großer Beliebtheit erfreut. 14 Menschen mit Behinderung machen hier den Service. Sie bereiten die Speisen zu, servieren und rechnen ab. Der Raum ist voller Gäste. Die Leiterin sagt mir, dass die Nachfrage nach e-Payment von Seiten der Besucher groß ist. Mit der Einführung habe man bisher aber gezögert, weil sich kein einfaches e-Kassensystem gefunden habe. Der Prozess darf nicht zu kompliziert sein. Gern würden sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend schulen. Sie suchen nach einer Einrichtung, die sich spezielle auf die Belange behinderter Menschen einstellt.

Geldspenden in der Kirche

Kirche

Die evangelische Kirche in Osnabrück stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie hat mit kapp über 100 Meter den höchsten Turm in Niedersachsen. Aber wie kann ich Geld in einen Opferstock werfen, wenn ich keine Münzen oder Geldscheine habe?  In New York soll es inzwischen Bettler geben, die eine Zahlmaschine haben und Kreditkarten annehmen. Gibt es bald im Klingelbeutel einen Schlitz für Karten?

Wie kann ich diesem Musikkanten auf der Straße Geld geben? (Foto: Habbel)

Kauf von Büchern

Ein Buchkauf zeigt die aktuellen Probleme beim Einsatz elektronischer Karten auf. Ich möchte mit der girocard und per Pin-Eingabe zahlen. „Das geht leider nicht“, sagt die nette Verkäuferin. Ich frage, „warum?“ Sie antwortet: „Wir akzeptieren nur das Lastschriftverfahren, sie müssen unterschreiben. Für uns ist das preiswerter. Die Margen im Buchhandel sind gering, wir nehmen auch keine Kreditkarten“. Ich zahle also mittels Unterschrift.

Bei weiteren Einkäufen stelle ich fest, dass Zahlvorgänge mit der girocard unter fünf Euro nicht gewünscht sind.

Wie kann ich diesem Musikanten Geld geben? Aufgenommen auf der Einkaufsstraße in Osnabrück (Foto: Habbel)

Laut Plan nimmt die Tourist-Information in Osnabrück die Geldkarte an. Ich kaufe „Osnabrücker Gummi-Bärchen“. Der Zahlvorgang mit der Karte wird leider immer wieder abgebrochen. Ich bezahle mit der girocard. Der Betrag liegt bei 1,83 Euro. „Kein Problem“, sagt der Touristmanager. Er muss ja Osnabrück auch gut verkaufen.

Ein Gedanke zu „Zweiter Tag

  1. Schönes Experiment!

    „Die Margen im Buchhandel sind gering“ – Das ist nun wirklich Unsinn. Die Margen im Buchhandel sind relativ großzügig, bis zu 50%, in Deutschland sogar staatlich garantiert (siehe Buchpreisbindungsgesetz). Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Politik sind nun mal beste Freunde, auch wenn dies der Kultur selbst eher schadet. Ich hab im Buchhandel also wirklich die geringsten Bedenken, eine Amex zu zücken… 😉

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